„Vergangen, aber nicht vergessen – Familien im Krieg gedenken“: Unter diesem Titel stand die traditionelle Gedenkfeier zum Volkstrauertag, zu der Landrat Kai Seefried als Kreisvorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, auf den Stader Garnisonsfriedhof eingeladen hatte. Das Programm prägte der 13. Jahrgang des Beruflichen Gymnasiums der Jobelmannschule.
Die Schülerinnen und Schüler sprachen nicht nur das Totengedenken und unterstützten bei der Kranzniederlegung, sie hatten mit ihrer Lehrerin Carola Bardenhagen das gesamte Programm der Gedenkfeier gestaltet. Sie richteten mahnende Worte an die zahlreich erschienenen Besucherinnen und Besucher. Ihr Appell: „Lasst uns gemeinsam für eine Welt kämpfen, in der Gewalt nicht die Antwort ist.“ Dank gebühre den Einsatzkräften der Bundeswehr, die mit Mut und Engagement für Freiheit und Sicherheit eintreten. Anhand persönlicher Schicksale ihrer eigenen Angehörigen aus dem Zweiten Weltkrieg stellten die Abiturientinnen und Abiturienten heraus, welche verheerenden Folgen Krieg, Flucht und Vertreibung haben und wie die Nachwirkungen über Generationen zu spüren sind.
Deshalb sei die Verantwortung für den Frieden auf der Welt groß. „Unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf die Versöhnung der Völker“, hieß es in einem Wortbeitrag. Ihre Wünsche für die Zukunft befestigten sie auf kleinen Zetteln an einer Trauerweide, die auf dem Schulhof eingepflanzt werden soll – für die Jugendlichen ein „Baum der Zukunft“, wie sie sagten: „Die Weide soll nicht nur erinnern, sondern weiterwachsen — wie unser Wunsch nach Zusammenhalt.“ Zum Abschluss erhielten alle Besucherinnen und Besucher eine weiße Rose als Symbol für den Frieden.
„Vor 80 Jahren endete der Zweite Weltkrieg, das in der Gewaltgeschichte dieser Welt wohl größte Unglück für die Menschheit“, stellte Landrat Kai Seefried heraus. „Rund 3,5 Prozent aller damals lebenden Menschen auf diesem Globus kamen um.“ Es böten sich heutzutage wohl die letzten Gelegenheiten, gemeinsam mit jenen zu gedenken, die den Mai 1945 noch selbst erlebt haben. Seefried: „Diese Möglichkeit dürfen wir nicht verstreichen lassen.“ Zeitzeugen seien Mahner für ein Leben in Freiheit, Demokratie und vor allem in Frieden. Sie wüssten, dass ein Leben in Frieden und Freiheit nicht selbstverständlich ist.
Ob in der Ukraine oder im Nahen Osten – auch heute seien es vor allem Familien mit Kindern, die unter kriegerischen Auseinandersetzungen leiden müssten, sagten der Landrat und die Jugendlichen. Wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme würden Frustration erzeugen und dazu verleiten, nicht nach Lösungen und Kompromissen zu suchen, sondern anderen die Schuld dafür zu geben. Das sei auch in innenpolitischen Debatten zu spüren. Doch wenn sich jeder nur auf sich und seine Interessengruppe beschränkt, dann würden am Ende die Feinde der Demokratie gewinnen. „Wir alle brauchen einander und wir brauchen ein Miteinander“, sagte Seefried. „Freiheit gelingt nur, wenn sie nicht rücksichtslos ist, sondern im Bewusstsein unserer Verantwortung füreinander gelebt wird.“
Das Blasorchester Altes Land spielte traditionell unter anderem während der Kranzniederlegung auf. Reservistenorganisationen und das Kreisverbindungskommando der Bundeswehr waren ebenfalls an der Gestaltung der Feier beteiligt, bei der alljährlich im November der Millionen Toten beider Weltkriege gedacht wird. Abordnungen zahlreicher Vereine, Organisationen und Behörden nahmen an der Veranstaltung teil.